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Kognitive Diagnostik · FKD-6

IQ-Test nach dem CHC-Modell

Sechs Subtests messen sechs breite Fähigkeiten der Intelligenzforschung : von fluidem Denken bis Verarbeitungsgeschwindigkeit. Mit adaptiver Zahlenspanne, Indexprofil und transparent dokumentierter Methodik. Kein klinisches Diagnostikum. Details unten.

Der Test im Überblick

Name: FKD-6. Fanizza Kognitive Diagnostik (6-Faktoren-Form) · Zielgruppe: Erwachsene und Jugendliche von 16 bis 70 Jahren, deutschsprachig · Dauer: ca. 25 bis 35 Minuten · Form: computergestützter Einzeltest mit standardisierten Instruktionen, festen Zeitlimits und einheitlichen Auswertungsregeln.

SubtestCHC-FähigkeitAufgabentypZeitregelAdaptive Logik
1 · Matrizen-DenkenGf. Fluides Denken12 nonverbale 3×3-Matrizen, 6 Optionen60 s/ItemAbbruch nach 3 Fehlern in Folge
2 · ZahlenspanneGwm. ArbeitsgedächtnisZiffernfolgen vorwärts (3 bis 9) & rückwärts (2 bis 8), je 2 Durchgänge0,9 s/Ziffer DarbietungStaircase: Abbruch, wenn beide Durchgänge einer Länge scheitern
3 · Symbol-VergleichGs. VerarbeitungsgeschwindigkeitZiel-Symbole in Suchreihe erkennen (JA/NEIN)90 s GesamtzeitSpeed-Test; Score = Richtige − Falsche
4 · WortanalogienGc. Kristalline Intelligenz10 verbale Analogien, 4 Optionen35 s/ItemAbbruch nach 3 Fehlern in Folge
5 · ZahlenreihenGq. Quantitatives Denken10 Reihen mit freier Zahleneingabe60 s/ItemAbbruch nach 3 Fehlern in Folge
6 · Figuren-RotationGv. Visuell-räumliche Verarbeitung10 Items: gedrehte vs. gespiegelte Figur erkennen45 s/ItemAbbruch nach 3 Fehlern in Folge

Vier der sechs Subtests (Matrizen, Zahlenspanne, Symbol-Vergleich, Figuren-Rotation) sind sprachfrei und kulturreduziert konstruiert. Aus ihnen wird zusätzlich ein kulturreduzierter Gesamtwert berechnet, der sprachgebundene Verzerrungen minimiert.

Wissenschaftliches Fundament: das CHC-Modell

Das Cattell-Horn-Carroll-Modell ist die heute am besten empirisch belegte Strukturtheorie der Intelligenz. Es beschreibt eine allgemeine Fähigkeit (g) an der Spitze, darunter breite Fähigkeiten, die dieser Test abbildet:

  • Gf. Fluid Reasoning: Neuartige Probleme lösen, Regeln und Muster erkennen, ohne auf Gelerntes zurückzugreifen. Kernnähe zu g, gemessen über Matrizenaufgaben (Raven-Tradition).
  • Gc. Crystallized Knowledge: Erworbenes Wissen und Sprachverständnis. Gemessen über Wortanalogien; kulturell und bildungsabhängig, deshalb getrennt ausgewiesen.
  • Gq. Quantitative Reasoning: Mathematisch-logisches Denken, gemessen über Zahlenreihen mit freier Eingabe (minimiert Ratewahrscheinlichkeit).
  • Gv. Visual-Spatial Processing: Mentale Rotation und Formvergleich. Die Unterscheidung „gedreht vs. gespiegelt" ist ein klassisches Paradigma (Shepard & Metzler, 1971).
  • Gwm. Working Memory: Informationen kurzfristig halten und manipulieren. Zahlenspanne vorwärts (Speicherung) und rückwärts (Manipulation), analog zu WAIS-Verfahren.
  • Gs. Processing Speed: Einfache visuelle Entscheidungen unter Zeitdruck, analog zur Symbol-Suche der Wechsler-Tests.

Auswertung & Kennwerte

Jeder Subtest-Rohwert wird in Wertpunkte überführt (M = 10, SD = 3), daraus entstehen sechs Indexwerte in IQ-Metrik (M = 100, SD = 15). Der Gesamtwert (FSIQ-Schätzung) wird als Komposit aus allen sechs Wertpunktsummen gebildet; die Kompositstreuung berücksichtigt eine angenommene mittlere Subtest-Interkorrelation von r ≈ .45. Alle Werte werden mit einem 90-%-Konfidenzintervall berichtet (FSIQ: ±8 Punkte bei angenommener Reliabilität von .90; Einzelindizes: ±10 Punkte).

Wichtig und ehrlich: Die Umrechnungstabellen dieses Tests sind provisorische A-priori-Normen (theoriegeleitete Annahmen über Mittelwert und Streuung je Subtest). keine empirisch gewonnenen Normen aus einer repräsentativen Stichprobe. Alle Ergebnisse sind daher ausdrücklich Schätzwerte zu Bildungs-, Trainings- und Forschungszwecken.

Gütekriterien: Ziele vs. aktueller Stand

KriteriumZielstandardAktueller Stand dieses Tests
Reliabilität (FSIQ)> .92 (interne Konsistenz, Retest)Nicht empirisch belegt; Konstruktion nach bewährten Paradigmen, Annahme ≈ .90 für KI-Berechnung
InhaltsvaliditätExpertenrating, CHC-AbdeckungTheoriegeleitet gegeben: 6 breite CHC-Fähigkeiten, etablierte Aufgabenformate
KonstruktvaliditätFaktorenanalyse (CFA) bestätigt StrukturOffen, erfordert Datenerhebung
KriteriumsvaliditätKorrelation mit WAIS/BIS/AusbildungserfolgOffen, erfordert Validierungsstudien
NormierungN ≥ 2000, stratifiziert (Alter, Geschlecht, Bildung, Region)Nicht vorhanden, provisorische A-priori-Normen
FairnessDIF-Analysen, kulturfaire Items4 von 6 Subtests sprachfrei; kulturreduzierter Zusatzwert; DIF-Prüfung offen

Konsequenz: Dieser Test hat keine offizielle diagnostische Zulassung. Für klinische, schulische, gutachterliche oder personalbezogene Entscheidungen sind ausschließlich normierte Einzeltestverfahren unter Fachaufsicht geeignet, z. B. WAIS-IV/V (Wechsler), Stanford-Binet 5, IST-2000-R oder CFT 20-R, durchgeführt von Psycholog:innen mit Diagnostik-Qualifikation.

Standardisierungs- & Normierungsfahrplan

So würde dieser Test zu einem vollwertigen psychometrischen Verfahren ausgebaut:

  • 1. Item-Pool-Erweiterung: Pro Subtest 40 bis 80 Items (statt 10 bis 12), um Auswahl nach empirischer Qualität zu ermöglichen.
  • 2. Pilotierung (N ≥ 400): Klassische Itemanalyse (Schwierigkeit p, Trennschärfe rit) plus IRT-Kalibrierung (2PL/3PL: Schwierigkeit b, Diskrimination a, Rateparameter c).
  • 3. Fairness-Prüfung: DIF-Analysen (Differential Item Functioning) nach Geschlecht, Bildungsniveau und Migrationshintergrund; auffällige Items werden entfernt oder revidiert.
  • 4. Normierung (N ≥ 2000): Repräsentativ stratifiziert nach Alter (16 bis 70 in Bändern), Geschlecht, Bildungsabschluss und Region; kontinuierliche Normierung (z. B. cNORM) für glatte Altersnormen.
  • 5. Reliabilitäts- & Validitätsstudien: Interne Konsistenz, Retest (2 bis 8 Wochen), CFA der 6-Faktoren-Struktur, Konvergenzvalidität gegen WAIS/CFT, prognostische Validität.
  • 6. Voll-adaptives CAT: Mit kalibrierter IRT-Itembank kann jeder Subtest als Computer-Adaptive Test laufen, kürzer und präziser; die jetzige Staircase-/Abbruchlogik ist die Vorstufe dazu.
  • 7. Flynn-Korrektur & Re-Normierung: Normdrift von ca. +0,2 bis +0,3 IQ-Punkten pro Jahr einplanen; Re-Normierung spätestens alle 8 bis 10 Jahre.

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